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Ukraine-Krieg im ZDF: Markus Lanz zofft sich mit AfD-Chef Tino Chrupalla



Von Kriegsverbrechen will Tino Chrupalla nicht sprechen – wenn es um Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine geht. Der AfD-Mann gastierte mit einigen abenteuerlichen Aussagen in der ZDF-Show.

Am späten Dienstagabend begrüßte Markus Lanz Tino Chrupalla, den sowohl Bundestagsfraktions- als auch Parteivorsitzenden der AfD. Vor allem ging es in der Sendung um den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der AfD-Mann weigerte sich beharrlich, zuzustimmen, dass Russland Kriegsverbrechen begangen habe. Präsident Putin wolle er dafür auch nicht verurteilen. “Für mich ist er kein Kriegsverbrecher. Das müssen zuständige Gerichte nach dem Krieg beurteilen”, sagte Chrupalla etwa.

Flott über die Lippen gingen ihm dagegen Sätze wie “Wir haben amerikanische Präsidenten, die ebenso Kriegsverbrecher sind”, was er auf Nachfrage auf George W. Bush und den US-Krieg gegen den Irak bezog. Chrupalla auf Widersprüche in seiner Argumentation festzunageln – über Bushs Wirken urteilte ja auch niemals ein Gericht – gelang Lanz nur begrenzt.

Die Gäste:

  • Tino Chrupalla, AfD-Vorsitzender
  • Claudia Major, Sicherheitsexpertin
  • Gerald Knaus, Migrationsforscher
  • Eva Quadbeck, Journalistin

Zunächst ordnete Claudia Major, Expertin von der von der Bundesregierung finanzierten Stiftung Wissenschaft und Politik, die jüngsten russischen Raketenangriffe auf die Ukraine ein: “Das Zerstören der zivilen Infrastruktur ist ein Kriegsverbrechen”, so Major. Die Angreifer verfolgten “extrem perfide” eine “Entvölkerungsstrategie” mit dem Ziel, die Ukraine als Staat auszulöschen.

“Das sieht schon sehr stark nach einem Völkermord aus” und gehe eindeutig auf Angriffsbefehle Putins persönlich zurück, ergänzte später der österreichische Migrationsforscher Gerald Knaus.

Sicherheitsexpertin Major widerlegt These von Chrupalla

“Ich verurteile das auch”, sagte Chrupalla knapp. Dann wiederholte er aber seine bekannten Argumentationsmuster. Zwar trage Russland die Verantwortung für diesen Krieg, doch: “Die Ursachen sind auch im Westen zu sehen”. Und natürlich seien auch die Amerikaner eine Kriegspartei. Mit den Briten hätten sie einen schon im April vorgelegten Friedensvertrag verhindert, lautete eine seiner angerissenen Thesen.

Das konnte Major widerlegen: Zunächst sei Russland auf ukrainische Zugeständnisse nicht eingegangen, dann seien die Kriegsverbrechen auf russisch besetztem ukrainischen Gebiet bekannt geworden, etwa in Butscha. Seitdem könne es für die Ukraine vor einem russischem Rückzug keine Verhandlungen geben.

Als Chrupalla Atomkriegsgefahr beschwor, wies Journalistin Eva Quadbeck darauf hin, dass die Ukraine Atomwaffen besessen, gegen russische Zusagen aber abgegeben habe. Die damaligen russischen Versprechen habe Außenminister Lawrow unterschrieben, der nun den Angriffskrieg mitverantwortet, ergänzte Major.

Chrupalla: “Weiß ich nicht, kann ich nicht beantworten”

Immer wieder sagte Chrupalla auch Sätze wie “Jeder Angriffskrieg ist völkerrechtswidrig”, denen die Diskussionspartner zustimmen mussten. Oft entzog er sich den Fragen des Moderators nicht ungeschickt. “Vermutungen, die ich nicht weiß, äußere ich nicht”, sagte er auf Nachfrage nach Details zum Argument der bekannten Vorwürfe gegen Hunter Biden, den Sohn des amtierenden US-Präsidenten Joe Biden.

“Weiß ich nicht, kann ich nicht beantworten”, entgegnete er, als Lanz um Einordnung einer Aussage des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke bat. Eigene eher abenteuerliche Einschätzungen musste Chrupalla nicht lange verteidigen – etwa, dass Russland sich im Rahmen von Friedensverhandlungen “komplett” vom ukrainischen Territorium zurückziehen könnte. Ernsthaft, obwohl es diese teilweise als eigenes Staatsgebiet annektiert hat?

Knaus an Chrupalla: “Sie enthalten sich eines eigenen Urteils”

“Sie enthalten sich eines eigenen Urteils, und überhaupt sind die anderen schuld”, brachte Gerald Knaus Chrupallas Strategie auf den Punkt. Später schilderte Knaus knapp die in Talkshows im russischen Staatsfernsehen offen diskutierte Strategie, nun im Winter “das Leben in der Ukraine immer unerträglicher” zu machen. So solle eine noch wesentlich größere Flüchtlingswelle ausgelöst werden, durch die die proukrainische Stimmung in der EU kippen würde – mithilfe von Parteien wie eben der AfD. Dazu hätte man gerne mehr gehört. Schon weil der “Sozialtourismus”-Vorwurf zu Chrupallas Repertoire gehörte.

Als es schließlich um Migration und Fachkräfte ging, brachte Lanz wiederholt Großbritanniens Situation nach dem EU-Austritt ins Spiel und die angespannte Lage im englischen Gesundheitssystem. Dem begegnete Chrupalla mit dem Hinweis, dass es ihm um deutsche Politik gehe.

Auf die Frage, wo er denn im Bundeshaushalt Geld einsparen würde, um Krankenhäuser im ländlichen Raum zu unterstützen, fiel dem AfD-Mann nichts anderes ein als “Genderprojekte”. Wie viel Geld in solche Projekte überhaupt fließt, wurde nicht nachgefragt. Stattdessen konnte Chrupalla beim Thema Fachkräftemangel ausspielen, dass er Malermeister ist – sehr viele Handwerker seien schließlich nicht in der Bundespolitik vertreten. Damit platzierte er seine Ansicht, dass das deutsche Bildungssystem “absolut vernachlässigt” sei.



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